Kommuniqué: Islamistische Gruppen demonstrieren in Offenbach

Kommuniqué / Pressemitteilung

[30.10.2010]

Islamistische Gruppen demonstrieren in Offenbach // Antifa verurteilt reaktionäre Ideologien

Am Samstag, den 30. Oktober, fand auf dem Offenbacher Marktplatz eine Kundgebung der islamistischen Organisation „Einladung zum Paradies“ (EZP) statt, an der über 400 Menschen teilnahmen. Unter den Rednern befand sich auch Pierre Vogel, der wegen seiner positiven Äußerungen zu Steinigungen von Ehebrecherinnen, seinen verschwörungstheoretischen Ansichten zu den Anschlägen vom 11. September 2001 und seinen geschichtsrelativierenden Vergleichen zwischen der Situation der verfolgten Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus und antiislamischen Rassismus heutzutage bereits mehrfach in der Kritik stand.

Die Organisation EZP propagiert ein islamistisches Weltbild, das sich unter anderem im absoluten Überlegenheitsanspruch des Islam, in der Unterdrückung von Frauen, Homosexuellen sowie Anders- und Ungläubigen und einem strikten Autoritarismus manifestiert. Patrick Hensel, ein Sprecher der Gruppe antifa [ko], kritisierte die Kundgebung scharf: „Der Islamismus ist keine Glaubensrichtung, sondern eine politische Ideologie – und als genau das ist er auch zu kritisieren. Der Kampf gegen reaktionäre Ideologien aller Art ist und bleibt für uns zentraler Bestandteil antifaschistischer Arbeit. Das von Pierre Vogel und anderen Islamisten propagierte Weltbild verkörpert all das, was einer emanzipatorischen Perspektive zu dieser Gesellschaft im Wege steht.“

Während der Kundgebung pries Pierre Vogel die fundamentalistische Auslegung des Islam als die einzige Lösung gesellschaftlicher und politischer Konflikte. Er bescheinigte ihm absolute Unfehlbarkeit und verlangte, die Vorschriften des Korans jeglichem rationalen Handeln vorzuziehen.

ezpmarktplatzNeben den Neonazis, die in Offenbach äußerst präsent sind und beispielsweise durch Sticker und Schmierereien, aber auch durch tätliche Angriffe auf Andersdenkende auf sich aufmerksam machen, entwickelt sich auch der lokale Islamismus immer mehr zu einem nicht zu unterschätzenden Problem. So existiert in Offenbach beispielsweise eine Jugendgruppe der radikal-nationalistischen und antisemitischen Bewegung „Millî Görüş“. Hensel wies auf die Gefahr der Verfestigung derartiger Strukturen hin: „Der Islamismus ist nationalistisch, sexistisch, antisemitisch, autoritär, rechtsradikal und steht allen bürgerlichen Freiheiten, die eine halbwegs säkulare Gesellschaft mit sich bringt, im Wege. Er untergräbt die Perspektive auf progressive Veränderungen und negiert das linke Ziel einer befreiten Gesellschaft.“

Gleichzeitig bezeichnete Patrick Hensel das Verhalten der Offenbacher CDU als „heuchlerisch“ und erklärte: „Die CDU inszeniert sich als Verteidiger der bürgerlichen Freiheiten und nutzt die Kritik an der radikal-islamistischen Veranstaltung, um Vorurteile und Ängste in der Bevölkerung gegenüber dem als ‚kulturfremd’ empfundenen Islam zu schüren. Wenn Horst Seehofer ein Einreisestopp für Menschen aus dem türkischen und arabischen Raum fordert, dann hat das aber nichts mit der Verteidigung von Bürgerrechten zu tun, sondern mit plumpen Rassismus. Wir wollen das Feld allerdings nicht bürgerlichen Rassisten aus dem konservativen oder rechtspopulistischen Lager überlassen: Eine richtige und reflektierte Kritik am Islamismus ist nicht falsch, sondern aus linksradikaler Perspektive absolut notwendig. Eine emanzipatorische Linke darf vor jeglicher Regression nicht die Augen verschließen.“

Außerdem kündigte Hensel für den 22.01.2011 eine Demonstration gegen rechtsradikales Gedankengut in Offenbach an: „Im Januar kommenden Jahres werden wir in Offenbach auf die Straße gehen, um reaktionären Ideologien jeglicher Coleur eine klare Absage zu erteilen. Denn egal ob Neonazis oder Islamisten – die Propagierung von antiemanzipatorischen Inhalten ist immer ein Angriff auf das schöne Leben.“

Infos folgen: http://antifako.blogsport.de

antifa [ko]