Für ein autonomes Zentrum in Neu-Isenburg!

Aufruf zur Demo für ein selbstverwaltetes Kulturzentrum in Neu-Isenburg
20.11.2010 | 17 Uhr | Bahnhof Neu-Isenburg

Für ein autonomes Zentrum in Neu-Isenburg!

Am 20. November findet in Neu-Isenburg ein Stadtspaziergang für ein autonomes Jugend- und Kulturzentrum statt. Ein solches Zentrum könnte die Möglichkeit bieten, sich selbstorganisiert und weitgehend frei von gesellschaftlichen Hierarchien und Ausgrenzungsmechanismen zu organisieren; Parties, Kneipenabende, Diskussionsveranstaltungen und Voträge zu veranstalten und dadurch Raum zur Reflektion und Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse zu schaffen. Wir unterstützen deshalb das Engagement der Initiative »ipunkt« und schließen uns der Forderung nach einem selbstverwalteten »Freiraum« an.

Dass in Neu-Isenburg – aber auch überall sonst – genug Räumlichkeiten existieren, die dazu geeignet wären, ein derartiges Projekt zu realisieren, ist nicht zu übersehen. Dennoch gestaltet sich der Kampf um ein Kulturzentrum häufig sehr schwierig. Das liegt in den seltensten Fällen am Widerwillen oder der Unfähigkeit der lokalen Politik, sondern vielmehr an den objektiven Zwängen, die in diesem System herrschen. Denn im Kapitalismus ist schließlich nur gut, was verwertbar ist oder verwertbar gemacht werden kann. So gibt es zwar sehr viel leerstehenden Raum, der aber nicht dafür da ist, die Bedürfnisse – also zum Beispiel das Bedürfnis nach einer Wohnung oder einem Kulturzentrum – zu befriedigen, sondern lediglich, um Profit zu erwirtschaften. Wohn- und Lebensräume werden in kapitalistischen Verhältnissen (wie alles andere auch) zur für manche Menschen unbezahlbaren Ware, die nur im Tausch zu erhalten ist. Menschen, denen das entsprechende Tauschmittel fehlt, werden ausgeschlossen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben wird ihnen verwehrt.

An dem offenkundigen Widerspruch zwischen der immer größer werdenden Zahl an Obdachlosen und unzähligen, ungenutzten und leerstehenden Wohnräumen zeigt sich wohl am deutlichsten die Irrsinnigkeit dieser kapitalistischen Logik, die durch den ständigen Zwang zur Profitmaximierung selbst grundlegende, menschliche Bedürfnisse gnadenlos untergräbt. Der Widerspruch zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit ist allerdings kein Phänomen, das sich auf leerstehenden Wohn- und Lebensraum beschränkt, sondern kategorialer Bestandteil dieser Gesellschaftsordnung. Im Kapitalismus geht und ging es eben noch nie um die vernünftige und gerechte Produktion und Verteilung der Güter und des gesellschaftlichen Reichtums.

Beim Kampf um konkrete Verbesserungen der Lebensverhältnisse darf die Beschränktheit der eigenen Möglichkeiten deshalb nie aus den Augen verloren werden. Weder ändert die Existenz eines selbstorganisierten Kulturzentrums etwas am Ablauf des großen Ganzen, noch sind so genannte »Freiräume« gänzlich frei von ideologischen Unterdrückungsmechanismen und kapitalistischen Verwertungszwängen – das schöne Leben lässt sich eben nur ohne Staat und Kapital realisieren. Dennoch können derartige »Freiräume«, in denen für den gemeinsamen Umgang miteinander emanzipatorische Mindeststandards gelten, eine Möglichkeit bieten, sich kritisch mit den herrschenden Verhältnissen auseinanderzusetzen, Perspektiven zu dieser Gesellschaft zu entwickeln und die Selbstorganisation als Mittel der Politik verstehen zu lernen.

Klar ist allerdings auch, dass Kooperation und Kommunikation mit städtischen Institutionen niemals die einzige Option im Engagement für ein selbstverwaltetes Zentrum bleiben kann. Wer keine Lust hat, sich ständig verarschen zu lassen, sollte anfangen, über andere Aktionsformen nachzudenken. Wenn ihr uns kein Haus gebt, nehmen wir uns eben eins – so einfach ist das. Die kollektive Aneignung von Wohn- und Lebensraum würde uns nicht nur unser autonomes Zentrum verschaffen, sondern darüber hinaus als antikapitalistische Praxis die herrschenden Eigentumsverhältnisse auf den Kopf stellen.

Am 20. November in Neu-Isenburg raus auf die Straße!

Freiräume erkämpfen!
Gegen Verwertungslogik & Kapitalismus!

20.11.2010 | 17 Uhr | Bahnhof Neu-Isenburg | Infos: ipunkt.blogsport.de

antifa [ko]

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