[Offenbach Post, 24.01.2011]

Ohne Nazis, ohne Staat

Linksaußen demonstriert in der Mitte

opfotodemo

Offenbach. Viertel vor Drei, Polizeimotorräder rollen über den Marktplatz. Die Beamten haben gut zu tun an diesem Samstag. Drüben auf dem Bieberer Berg verlieren die Kickers gerade gegen Sandhausen, was auch die Offenbacher Ordnungsmacht im Auge des Gesetzes behalten muss. Und hier in der Innenstadt versuchen einige hundert Antifaschisten, mit einer Demonstration „Gegen Nazis, Rechtspopulismus und Fundamentalismus“ zu punkten.

Die „antifa“-Gruppen aus dem Kreis Offenbach und aus Frankfurt haben aufgerufen, den antifaschistischen Widerstand zu organisieren. Das verlangt nach einer öffentlichen Bekundung von Positionen.

Der Marktplatz füllt sich. Die Demonstranten, meist in schwarz gekleidet, sammeln sich in zwei Gruppen. Einige haben grell gefärbte Haare, ihre Musik schallt unter der Fußgängerbrücke vor der Filiale eines Hähnchenfrittieres hervor. Ein Sprecher der Polizei schätzt die Menschenmenge zu diesem Zeitpunkt auf 120. Doch es sollen noch etliche mehr werden; die Initiatoren werden am Ende von 400 Leuten sprechen, die Polizei schätzt einige weniger.

Ein schwarzer Volkswagen fährt vor, auf dem Dach eine Palette, auf die Lautsprecher geschnallt werden. Aus dem Kofferraum rattert ein Stromaggregat. Mit ordentlich verstärkten Reden und auf Flugblättern wollen sie auf die „verschiedenen reaktionären Bewegungen“ aufmerksam machen, die ihrer Ansicht nach aktuell Auftrieb haben. Sticker und Sprühereien in Offenbach sprächen eine klare Sprache, heißt es von der Kreis-Antifa, die keinen Zweifel „an der Existenz der Nazistrukturen“ in Offenbach hegt. Und der Angriff dreier Neonazis auf einen Antifaschisten im Sommer 2009 zeige, dass die Anhänger dieser Ideologie auch bereit zu Gewalt seien.

Aber auch auf die „Ko-Existenz verschiedener rechter Lebenswelten“ in Offenbach wollen sie hinweisen, sagt Antifaschist Yannick Lindner. Da gebe es zum Beispiel die „Grauen Wölfe“ und eine „Jugendgruppe der islamistischen Organisation Mili Görüs“. Das zeige, „dass rechtsradikale Positionen auch bei Teilen der Migranten auf Zustimmung“ stoßen.

Von den Frankfurtern heißt es, dass zwar schon viel gewonnen wäre, „wenn diese ganzen rechten Bewegungen und ihre reaktionären Gestalten (…) aus Offenbach flüchten (…) würden.“ Doch es dürfe nicht nur um „eine Gesellschaft ohne Rassismus und Antisemitismus gehen, sondern es geht um eine Gesellschaft ohne Staat, Nation und Kapital“. Am Ende steht der Aufruf: „Für den Kommunismus!“.

Eine junge Russin, die den Geschehnissen von der Bushaltestelle folgt, schüttelt den Kopf und kommentiert: „Sie sollen froh sein, dass sie eine Demokratie haben. In Russland würden sie nicht so einfach demonstrieren“.